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Romantisch nur
im Vertrieb

Gesichtslose Gewerbebauten – die Käse-Alm

Jedes mal haben wir uns gewunder, was da für ein Riesending da gebaut wurde, kurz vor Steingaben. Und als es fertig war fast noch mehr, dass man offensichtlich die großen Flächen nicht für eine Außenwerbung nutzen wollte. Nicht einmal das klassische leuchtende Signet des Unternehmens erschien. Bis heute.

Durch Zufall haben wir dann auf einer Doppelseite in der »Allgäuer Zeitung« von der Einweihung des Gebäudes erfahren; immerhin war der damalige Bayerische Landwirtschaftsminister Miller zu Gast. Das zumindest sollte kundgetan werden. Gebaut hat das wenig romanitsche Gebäude, im Ernst, die »Schönegger Käsealm«, als Lager- und Reifehalle. Verkauft wird der Käse (über dessen Qualität man wahrlich nichts sagen kann) dort aber nicht, sondern auf einer Reihe von »Käse-Almen«. Es lebe das Klischee. 

Erschreckend ist dabei auch, da ist diese Halle aber keine Ausnahme, wie wenig Menschen meist in diesen gewaltigen Gebäuden arbeiten. Man kennt die Bilder von AEG und anderen großen Firmen vor den Kriegen, wo in solchen Hallen tausende von Menschen gearbeitet haben – hier stehen meist nur ein paar Autos davor.

des Menschen
ganzer Stolz

Vom Einfamilienhause

Denken wir jetzt einfach nichts an Vorarlberg. Bleiben wir im Allgäu, schauen höchstens noch nach Tirol. Landschaftsprägend sind hier wie dort neben den industriehaften, landwirtschaftlichen Bauten letztlich doch zu einem großen Teil gerade die kleinen Häuser. Das gemeine Einfamilienhaus. Elementares Ziel menschlichen Schaffens. Und meist teurer als durch die eigene Arbeit herangeschafft werden kann. Da spart man, nicht zuletzt am Architekten. Zum ländlichen Ehrgeiz scheint auch noch zu gehören, dass man am besten schon mit 25 Jahren im Eigenheime sitzt.

Sieht man sich die momentan entstehenden Häuser an, gibt es zwei »Trends«: manche sind etwas reduzierter, puristischer – dabei aber meist auch arg kühl und/oder doch zu wenig konsequent. Andere hingegen setzen auf's Ländliche. Mitunter ja auch die Vorgabe des Bebauungsplanes: »die alpenländische Bauweise«. Nur, was heißt das eigentlich? Vermutlich Satteldach und Holzfassade, wenn verputzt, dann hell. Wobei dann die Frage ist, warum die Toscanisierung im Lande mit flachen Walmdächern und Säulen am Entree fortschreiten kann.

Die ländliche Bauweise, das war doch (ohne detailliertes Studium der Architekturgeschichte) bis ins 20. Jahrhundert hinein der Bauernhof. Der wiederum bestand zu mehr als der Hälfte aus einem Wirtschaftsteil. Sollte also ein halber Bauernhof das alpenländische Einfamilienhaus werden? In den Städten hatte man noch Villen, die unterlagen einer eigenen Formensprache und Tradition; dazu Geschäftshäuser mit Laden, später auch industrielle Anlagen, die aber nicht landschaftsprägend hier waren. Wenn ländlich auch dörflich ist, dann gab es neben Kirche, Pfarr- und Schulhaus, vielleicht noch einer »Fabrikbesitzer-Villa«, vornehmlich Bauernhöfe. Die leider der Reihe nach, so sie nicht allzu oft »todsaniert« wurden, verfallen. Daneben dann steht bereits das komfortable Einfamilienhaus.

Eine Wurzel dieses Haustyps wird man, auch wenn es unangenehm ist, bei den Nationalsozialisten finden. In den 1930er Jahren wurden diese kleinen Häuschen mit Garten (nicht zuletzt zur Eigenversorgung) propagiert und gefördert (siehe z.B. die »Siedlungsausstellung« 1934 in München). Auch dort und damals wurde Wert gelegt auf das völkisch-verwurzelte. In wie weit die Häuser der 1950er Jahre und danach davon »inspiriert« und beeinflusst wurden, wäre interessant. Jedenfalls haben viele gerade entstehende Einfamilienhäuser wieder eine Verwandtschaft mit den 70ern: verglaste Treppenhäuser (damals mit Lichtbausteinen, heute mit normalen Fenstern) beispielsweise sah man lange nicht – jetzt umso mehr. Auch die Interpretation des Traditionellen lässt in manchem Detail an die Interpretationen der 1970er denken. Ob das etwas gutes verheißt? Behalten wir die Neubaugebiete im Blick!