

Grüß Gott und Marsalchiesch, sehr geehrte Geistlichkeit, verehrte Vertreterinnen und Vertreter aus der Politik, lieber Marcus Mühlnikel und die anderen Vertreter dieser separatistisch klingenden universitären Einrichtung namens »Institut für Fränkische Landesgeschichte«, liebe Gutmenschen (das war ein Kompliment! Gut ist doch viel besser als schlecht),
Bei solch einem Reigen an Grußwörtern und Reden zu Ausstellungseröffnungen muss ich immer an den wunderbaren Spruch von Karl Valentin denken: »Es ist zwar schon alles gesagt, aber noch nicht von jedem«. Jetzt kommt der Gestalter an die Reihe.
Design ist ja so eine Sache – es kann kaschieren, suggerieren, etwas sei neu und besser, und ist nicht selten die Exekutive eines Marketings, das ein sinn- und zweckfreies Mehr will. Täuschen und Enttäuschen sind dabei oft nur eine zeitliche Abfolge.
Design kann aber mehr – es kann Beziehungen sichtbar machen, Bezüge schaffen, Verbindungen herstellen, Strukturen offenlegen, Themen verständlich machen und nachvollziehbar, kann sinnlich werden, nach-fühlbar … Dann ist Design nicht Marketing, sondern wird gewissermaßen selbst Mittel und Methode.
Die Aufgabe hier war keine ganz leichte – aber gut, sonst bräuchte es uns auch nicht. Es geht um zwei Kriege, die weit entfernt sind. Zeitlich, räumlich. Scheinbar. Von Syrien haben wir die Bilder der »tagesschau« wirkmächtig im Kopf, vom 30-jährigen Krieg vielleicht ein paar Stiche – vielen dürfte aber schon der Verlauf, der Anlass etc. gar nicht wirklich bekannt sein. Beim Syrienkrieg vermutlich sogar ebenso.
Diese beiden Kriege in Überlagerung zu bringen, wurde zuerst einmal wörtlich gedacht: Mit übereinander gelegten Bildern, durch Beamer und Drucke … Doch so wenig wie der Badezimmerspiegel metaphorisch arbeitet und etwas von mir widerspiegelt sind zwei Bilder übereinander nicht sofort schon eine Aussage.
Spannend (und in einem gewissen Sinn auch beruhigend) ist immer wieder: Wenn sich etwas nicht um alles in der Welt schlüssig gestalten und »darstellen« lässt, ist oft am konzeptionellen, am inhaltlichen etwas noch nicht ganz stimmig. Zusammen haben wir deshalb dann die einzelnen Kapitel nochmals überarbeitet, die Ausrichtung auf das Erleben, das Erlebte – in dem die Parallelen zwischen den Kriegen eben deutlich werden. Und so auch eher darstellbar wurden. Fast schmerzhaft, denn es wird einem so überdeutlich bewusst: Man könnte ja aus der Geschichte durchaus lernen, wenn man nur wollte.
Aber Lernen und Nachdenken sind einfach nicht so beliebt. Aus diesem Ansatz heraus entstand jedenfalls das gestalterische Konzept. Aus der Überlagerung wurde die Parallele. Da es uns ja weniger um die physischen Schäden an der Infrastruktur geht, sondern weit mehr um die Verletzungen des Menschen – an Körper, Geist und Seele – wollten wir dabei bewusst an bekannte Bilder anknüpfen und die Folgen sichtbar machen.
So entstand der »Flüchtlingslager-Material-Optik-Ansatz« dieser Ausstellung. Was sieht man denn auf praktisch jedem Bild von Flüchtlingslagern: Zelte aus Planen, aufgespannte Wäscheleinen, Kanister, behelfsmäßige Konstruktionen aus Holz oder Metall, bestenfalls einfache Bettgestelle … der Wunsch nach ein wenig, wenn auch nur symbolischer Abgrenzung und Privatsphäre. Genau so sieht unsere, sieht ihre Ausstellung aus. Die Materialauswahl … gestrichen wurde in unserer Garage … und so weiter. Ohnehin passend, da es hier selbst ja schon darum geht, mobil zu sein (Stichwort Wanderausstellung), variabel, wandlungsfähig, modular – und das mit möglichst wenig Geld. Stattdessen mit der Möglichkeit, anzupassen – und selbst anzupacken, was wir seit Donnerstag getan haben. Viele fleißige linke Hände haben das Rechte hier gemacht. Großer Dank an alle Helferinnen und Helfer!
Und davon vielleicht noch eine kleine Anekdote, die das Gesagte sehr gut zusammenfasst: Als wir am Samstag Abend bis auf die Exponate mit dem Aufbau weitgehend fertig waren, sah ich einen Mitarbeiter des Instituts noch an einer Station arbeiten. Er war da offensichtlich am Korrigieren und meinte, er würde hier noch etwas umhängen, weil es ja nicht gewollt sein kann, dass die Kabel vor dem Bild sind. Ich sagte ihm: Doch, schon. Das passt eigentlich und auch war so gedacht. Worauf er meinte, es sei doch schade um das schöne Bild und stört die Optik. Das war der Punkt: Weil »schön« eben nie ein Argument war. Im Gegenteil. Wir wollten auch bei der Präsentation nichts über-ästhetisieren, sondern vielmehr wirklich und bewusst stören, verstören, es nicht leicht machen … nicht oberflächlich hübsch und unverbindlich sein. Das Rauhe, das Schiefe, das Provisorische, ist programmatisch. Und somit auch kein Mangel und berechtigt nicht zu Nachbesserung und Preisnachlass!-)
So, sie haben es überstanden. Andere nicht. Es wäre wirklich schön, wir hätten hier eine Ausstellung zu eröffnen, für die es nie wieder einen Grund geben würde. Bestenfalls aber ist eine, die über ihren auch noch so kleinen, quasi homöopathischen Beitrag vielleicht etwas anregt, darüber nachzudenken, was man selbst tun kann, um Leid zu mindern und zu verhindern.
Für mehr Toleranz, Nachsicht, Geduld und, ja, so kurz vor Weihnachten darf man das vielleicht sagen, etwas mehr Liebe unter uns Menschen.
Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit und unseren Auftraggebern herzlichen Dank für das Vertrauen und ihren Mut. (Hand auf Herz)